Hundert plus eins…“,
Es ist Montag Nachmittag, 15.00 Uhr. Ich treffe einen
zutiefst zufriedenen Menschen:
Achim Besgen erwartet mich in seinem Zimmer im
Altenheim und freut sich, mich zu sehen.
Wir haben sofort eine Menge Gesprächsthemen.
Wissensdurstig wie immer fragt er mich nach meiner
Familie und nach unseren Kindern, und er zeigt
mir seine wunderschöne Aussicht in den Park,
die er aus seinem Zimmer genießt. Ja, er genießt tatsächlich.
„Ich kann Gott nur danken, dass ich es so gut habe“, sagt er.
Er habe alles, was er braucht und fühle sich rundherum
perfekt versorgt in einem Haus mit einer sehr
guten Atmosphäre.
Dabei fühlt er sich nicht einsam.
Die Mahlzeiten nimmt er in Gemeinschaft mit anderen ein und allein in
der letzten Woche besuchten ihn acht liebe Menschen, zum Teil auch
ehemalige Schüler/innen.
Wenn er alleine ist, ist sein Laptop das Tor zur Welt. Hier sucht er sich
alles, was er wissen möchte aus Politik, Kultur und Gesellschaft und hat
dadurch keine Langeweile. Hier hört er Musik, schreibt E-Mails, liest die
Zeitung und erfährt Neuigkeiten. Sein Interesse an der Welt ist nach wie
vor ungebrochen.
Natürlich hat er nach einem Jahrhundert Lebenszeit seine Wehwehchen
- wie sollte es auch anders sein. Aber sie halten sich erstaunlicherweise
in Grenzen. So ist sein Rücken der entscheidende Grund, warum er
nicht mehr alleine spazieren gehen kann.
Aber das ist kein Grund, den Kopf hängen zu lassen. Immer wieder betont
Achim Besgen, wie zufrieden und dankbar er ist, in dieser Gegend
der Welt zu leben, in der wir nun 80 Jahre keinen Krieg mehr haben und
wünscht sich - mit uns allen - dass das auch so bleibt und dass in anderen
Gegenden der Welt endlich Frieden einkehrt.
Zufriedenheit und Dankbarkeit, das sind zwei entscheidende Begriffe,
mit denen er auf nun bald 101 Jahre zurückblickt.
Wir wünschen ihm zu seinem Geburtstag am 2. September, dass er
diese Welt noch so lange mit uns teilen und diesen wundervollen Blick
in die Natur genießen kann, wie er und vor allem wie Gott es wollen.
Ela Kursawa