Pfarrei St. Matthias Schwalmtal

Heil und Heilung Sakrament der Krankensalbung

Jesus segnet die Kranken.JPG
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Was ist der Sinn dieses Sakramentes?

 

Jeder Mensch ist in der Gemeinschaft der Kirche wichtig. Dabei macht es keinen Unterschied, ob der Mensch vor der Geburt lebt oder danach, ob er jung oder alt, ob er fit und gesund oder schwach und krank ist. Wir achten die Würde eines jeden Menschen letztlich nicht aus unserem eigenen Antrieb, sondern weil wir damit ein Gebot Gottes erfüllen und in der Nachfolge unseres Herrn Jesus Christus handeln. Jesus selbst schenkt Kranken immer wieder Heilung für den Körper und Heil für die ganze Person wie zum Beispiel einem gelähmten Menschen (Markus 2, 1 – 12). Gerade im leidenden und kranken Menschen können wir dem Herrn in besonderer Weise begegnen: „Ich war krank, und ihr habt mich besucht!“ (Matthäus 25, 36). Der Samariter, der dem verwundeten Menschen selbstlos hilft, ist das Vorbild für alle Christen im Umgang mit den Notleidenden und Hilfsbedürftigen (Lukas 10, 30 – 35). Die junge Kirche folgt diesem Auftrag und Vorbild; so heißt es im Jakobusbrief (5, 13): „Ist einer von euch bedrückt? Dann soll er beten. Ist einer fröhlich? Dann soll er ein Loblied singen. Ist einer von euch krank? Dann rufe er die Ältesten der Gemeinde zu sich; sie sollen Gebete über ihn sprechen und ihn im Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken retten, und der Herr wird ihn aufrichten; wenn er Sünden begangen hat, werden sie ihm vergeben.“ Diese Schriftstelle ist die biblische Grundlage für das Sakrament der Krankensalbung, mit dem die Kirche die ganze Person des Erkrankten Menschen stärken will. Dabei wird der vollständige Umfang des Lebens angesprochen, so wie er sich aus unserem Glauben erschließt: Heilung für den Körper in dieser Zeit, wenn es dem Willen Gottes entspricht; Ermutigung und Trost in der Krankheit, Zusage des Heils über alle menschliche Ohnmacht und Begrenztheit hinaus. Das Sakrament der Krankensalbung ersetzt nicht die Kunst des Arztes und die Zuwendung der Pflege. Aber die Krankensalbung stellt das alles in den Zusammenhang mit der Wirklichkeit des Glaubens: Ohne Gottes Hilfe sind selbst die brillianteste medizinische Technik und ihre gekonnte Anwendung vergeblich; mit Gott können wir mehr, als wir uns selbst zutrauen!

 

Was ist dieses Sakrament nicht?

Viele Menschen kennen den Begriff der „Letzten Ölung“. Aus der Vergangenheit meinen sie, es sei die sakramentale Handlung für die Kranken, die sich in ihrer allerletzten Lebensphase, der Sterbestunde befinden. So wird nicht selten der Priester vom kranken Menschen als eine Art „Todesengel“ angesehen. Und aus Angst vor seelischer Belastung wird der Priester erst dann gerufen, wenn der Kranke bereits bewusstlos erscheint. Aber gerade das bedeutet das Sakrament der Krankensalbung nicht, das seine Bezeichnung und seinen Inhalt nach der Reform der Sakramente durch das II. Vatikanische Konzil (1962 – 1965) erhielt. Der Kranke wird nicht aus der Gemeinschaft der Menschen verabschiedet oder gar ausgegrenzt. Im Gegenteil: Ihm wird zugesagt, dass er in besonderer Weise in die Mitte der Gemeinschaft hineingenommen wird durch das heilsame Gebet, am Leben der Gemeinde Anteil hat und für sie wichtig ist auf ihrem Weg durch die Zeit und zu Gott. Dafür ist das Mitleben des kranken Menschen unverzichtbar, hat er doch durch sein Leiden sichtbaren Anteil am Kreuz Jesu Christi.

 

Wie wird das Sakrament gespendet?

Das Zeichen, in dem das Sakrament gespendet wird, ist die Salbung mit Krankenöl (oleum infirmorum). Salböl ist zu einen ein Zeichen von Würde. Im Alten Testament wird berichtet, dass der Prophet Samuel durch Übergießen mit Öl zum ersten König salbt (1 Samuel 10, 1). Bei der Spendung der Krankensalbung drückt dieses Zeichen aus, dass gerade der kranke Mensch nichts von seiner Würde verliert (siehe auch das persönliche Beispiel von Johannes Paul II.). Zum anderen ist Öl (Salbe) ein oft gebrauchtes Heilmittel. So drückt die Salbung mit Krankenöl auch das Vertrauen aus, dass Gott die Bemühungen der Ärztinnen und Ärzte, der Pflegerinnen und Pfleger bei der Heilung fördert und Heil schenkt. Hoffnung geschenkt zu bekommen, ist ein Lebensvollzug, den der Mensch bewusst erleben muss, um gestärkt weiter weiterleben zu können. Daher ist es wirklich nur im Notfall sinnvoll, einem bewusstlosen Kranken die Krankensalbung zu spenden.

Indem der Priester die Stirn und die Hände des (der) Kranken mit geweihtem Öl salbt, betet er: „Durch diese heilige Salbung helfe dir der Herr in seinem reichen Erbarmen, er stehe dir bei mit der Kraft des heiligen Geistes. Der Herr, der dich von Sünden befreit, rette dich, in seiner Gnade richte er dich auf!“ Die Spendung des Sakramentes ist ein Gottesdienst. So ist es sinnvoll, dass nicht nur der Priester und der Kranke, sondern auch seine Angehörigen, Ärzte oder Ärztinnen, Schwestern, Pfleger und andere Personen an der Feier des Sakramentes teilnehmen; denn sie repräsentieren die Kirche.

 

Zeitpunkt für die Krankensalbung?

Eine ernsthafte Erkrankung, eine bevorstehende Operation oder komplizierte Untersuchung, mit hohem Alter verbundene gesundheitliche Schwierigkeiten stellen den Anlass dar, um die Krankensalbung zu bitten. Vorausgehen sollte ein seelsorgliches Gespräch, in dem der erkrankte und geschwächte Mensch der Krankensalbung zustimmt. Dieses Sakrament kann immer wieder gespendet werden. So empfiehlt es sich, nicht nur bei körperlicher Gefährdung um die Sakramentenspendung zu bitten, sondern auch im Zustand seelischer Bedrückung, wie das zum Beispiel bei älteren Menschen der Fall ist, wenn die „dunkle Jahreszeit“ beginnt. Die Erfahrung lehrt, dass der Empfang der Krankensalbung wirklich seelisch wie körperlich aufrichtet und dem (der) Kranken Mut und Zuversicht verleiht.

Wo dies möglich ist, kann zusammen mit der Krankensalbung auch die heilige Kommunion, das Sakrament der Eucharistie, empfangen werden. Der Empfang des Bußsakramentes ist nicht notwendig, da die Krankensalbung selbst bereits das Element der Sündenvergebung enthält.

 

Die orthodoxen Kirchen kennen ebenfalls das Sakrament der Krankensalbung. Hierbei wird das folgende Gebet gesprochen, das die Bedeutung des Sakramentes noch einmal gut zusammenfasst: „O heiliger Vater, Arzt der Seelen und der Leiber, der du deinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus gesandt hast, dass er alle Krankheit heile und uns vom Tode erlöse, heile deine Dienerin / deinen Diener von der sie / ihn umfangenden leiblichen und geistlichen Schwäche und belebe ihn durch die Gnade deines Christus auf die Fürbitte unserer hochheiligen Herrin, der Gottesgebärerin und immerwährenden Jungfrau Maria... (hier können noch andere Heilige angerufen werden) ..., der heiligen Gottesahnen Joachim und Anna und aller Heiligen. Denn du bist die Quelle der Heilung, o Gott, unser Gott, und dir senden wir empor Lob und Preis, dem Sohn und dem Heiligen Geist, jetzt und immerdar und in alle Ewigkeit.“

 

Die Priester unseres Pfarrverbandes sind jederzeit bereit, auf Wunsch das Sakrament der Krankensalbung zu spenden. Für Notsituationen steht der Notruf unseres Dekanates zur Verfügung: 0162/7067575.