Geschichte

Zahlen, Daten und Fakten zum Schwalmtaldom

1883           Einweihung der Kirche                                                                              
1884           erhielt die Kirche ihr vierstimmiges Geläute
1886           bekam der Kirchturm eine Uhr.
1917            wurden 6 neue Weihwasserbecken angeschafft.
1948           ist die Kriegergedächniskapelle eingerichtet worden.
1953           wurde der Turm unter Pfarrer Werner neu verschiefert und der Innenraum  
                    restauriert
1957-1958  die Reliquienschreine, das Taufbecken, der Altartisch, Ambo und Sedilien sind 
                     Arbeiten des Kölner Künstlers Egino Weinert.                                    
1960            wurde das im 2. Weltkrieg konfiszierte vierstimmige Geläute erneuert
1980-1983  Restaurierung von Turm, Mauerwerk und Ausmalung der Kirche unter Pastor 
                     Koerschgens
2004-2008  erneute Sanierung von Turm, Turmhelm und Mauerwerk unter Pastor Aymanns
2009-2016   Restaurierung der Altäre und sakralen Kunstwerke unter Pastor Aymanns

Eine kurze Geschichte der Waldnieler Pfarre und des Schwalmtaldoms

Wann genau unsere Pfarre entstanden ist lässt sich nicht an einem bestimmten Datum festmachen. Denn da wir es hier mit einer Zeit zu tun haben, über die keine lokalen Urkunden oder Chroniken vorliegen, ist man auf andere Hilfsmittel angewiesen. Legt man hier die Zeit der Christianisierung unserer Region durch den heiligen Willibrord und die erste Periode der deutschen Michaelskirchen zugrunde, so lässt sich vermuten, dass unsere Pfarre schon zum Ende des 7. Jahrhunderts bzw. Anfang des 8. Jahrhunderts gegründet wurde.

Nahm man bisher an, dass unsere Pfarre und damit der Ort Waldniel mit der Geburt des heiligen Wolfhelm um das Jahr 1020 aus dem Dunkel der Vergangenheit auftauchten, so lässt sich das heute nicht mehr halten. Denn die Annahme, dass der hl. Wolfhelm aus Waldniel stammte, war wohl mehr Wunschdenken als gesicherte Erkenntnis.

Nach einer ersten urkundlichen Erwähnung Waldniels um das Jahr1180 stammt die erste bisher bekannte Nennung von Ort und Pfarre Waldniel aus dem Jahre 1255. Damals machte der Pfarrer Wilhelm von Niederamern zugunsten der Kapelle von Lüttelforst eine Stiftung, die u.a. mehrere Grundstücke betraf, die in der „parochia de Nyle“ lagen, als in der Pfarre Niel (heute Waldniel). Aus dieser Urkunde ergibt sich also, dass der Seelsorgebezirk Waldniel schon „parochia“ = Pfarre genannt wurde. Unsere Kirche war damals eine „ecclesia integra“, also eine Pfarrkirche mit allen ihr zustehenden Rechten, gelegen im Dekanat Wassenberg, Archidiakonalbezirk Kempenland. Das Patronatsrecht für die Pfarre Waldniel, d. h. vor allem auch die Berechtigung, den Pfarrer zu stellen, besaßen schon sehr früh die Herrscher von Jülich.

Ein erster bekannter Kirchenbau lässt sich auf die Zeit um die Mitte des 14. Jahrhunderts datieren, wobei es wohl schon wesentlich früher ein einfaches hölzernes Versammlungsgebäude gegeben haben dürfte. Die alte Kirche lag südwestlich des Marktplatzes und war in der für den Niederrhein üblichen Anordnung von diesem durch Häuser getrennt. Sie befand sich auf dem ehemaligen Kirchhof, der auch heute noch von einer bis zu 4 m hohen Stützmauer zum Kranenbachtal hin abgeschlossen wird.

Der 30-jährige Krieg ging an Waldniel nicht spurlos vorüber. Zu den  Kriegsleiden trat hierzulande noch die Pest hinzu, die den damaligen Pfarrer von Waldniel, Johannes Budemius, der gleichzeitig Landdechant des Dekanates Wassenberg war, veranlasste, im Jahre 1635 die Sebastianus- oder Rochuskapelle zu  erbauen. Diese lag an der jetzigen Einmündung der Rochusstraße in die Dülkener Straße, wo sich heute ein Gedenkstein zur Erinnerung an diese Kapelle befindet, die leider in den 1930er Jahren niedergerissen wurde.

Vom Beginn des 18. Jahrhunderts an mehren sich dann die Urkunden, die Auskünfte über unsere Pfarre geben.

Als Anton Mömken 1854 sein Amt als neuer Pfarrer von Waldniel antrat, war die alte Kirche in einem derart desolaten Zustand, dass der Wunsch nach einem neuen Gotteshaus erwuchs. Dieses sollte dem Zeitgeist entsprechend als neugotisches Bauwerk an einer erhöhten Stelle nördlich der alten Kirche errichtet werden. In der Wahl dieses Platzes zeigte sich die Absicht, den Kirchenneubau zum beherrschenden Akzent im gesamten Ort zu machen. Als Baumeister wurde Heinrich Wiethase aus Köln ausgewählt, der die Kosten für die neue Kirche mit ca. 85000 Taler bezifferte. Die Grundsteinlegung für die neue Kirche war am 29. September 1878. Schon am Dienstag, dem 1. Mai 1883, wurde die neue Kirche eingeweiht. Weil der Bischof wegen des Kulturkampfes noch in der Verbannung weilte, geschah dies durch Pfarrer Anton Mömken. Da die Pfarrgemeinde die gesamten Kosten des Kirchenbaus selbst getragen hatte und die Kasse leer war, wurde die Ausmalung der Kirche erst zum Beginn des 20. Jahrhunderts vorgenommen. Auch wurde zunächst das Mobiliar der alten Kirche genutzt, bevor es nach und nach ersetzt wurde.

Die beiden Weltkriege überstand unsere Kirche relativ unbeschädigt. Im zweiten Weltkrieg mussten die Bronzeglocken und die großen Orgelpfeifen abgeliefert werden und die Chorfenster wurden durch Bombeneinwirkungen fast völlig zerstört.

In den 1950er Jahren erfolgte eine Innenrestaurierung im Stil der damaligen Zeit. Die drei Chöre erhielten eine neue Buntverglasung von Walter Benner und die drei im Krieg verlorenen Glocken des vierstimmigen Geläutes wurden neu gegossen. In den Jahren 1975 bis 1984 schloss sich eine grundlegende Außen- und Innenrestaurierung an. Hierbei erhielt die Kirche ihre alte Ausmalung zurück. 

Eine letzte große Restaurierung erfolgte in den Jahren ab 2004. In Zusammenarbeit mit dem Amt für Denkmalpflege im Rheinland wurde das Mauerwerk saniert, der Turmhelm neu verschiefert und die sakralen Kunstwerken von den (Gebrauchs-)Spuren der Zeit befreit. Heute erstrahlt St. Michael wieder wie ein kostbares Kleinod und zieht jeden Besucher in seinen Bann.

 

Wer sich näher mit der Geschichte unserer Pfarre und des Schwalmtaldoms beschäftigen möchte, dem sei das Buch von Karl-Heinz Schroers empfohlen, das anlässlich der 100-Jahr-feier des Schwalmtaldoms im Jahre 1983 herausgegeben wurde. Das Buch ist zum Preis von 7,50 € im Pfarrbüro, Niederstraße 31, erhältlich.

 

Kirche neu Buch (c) Karl-Heinz Schroers